Die Feuerwehr Baienfurt im Oberamt Ravensburg

Seit 1866 bestand eine Pflichtfeuerwehr, der eine Lokalfeuerlöschverordnung zu Grunde gelegt wurde. Diese Verordnung beschrieb die Oganisation und Ausrüstung der Feuerwehr. Die Feuerwehr Baienfurt gliedert sich 1871 wie folgt:

Kommandant
Stellvertreter
5 Züge mit je einem Zugführer
1.Zug: Steiger und Retter, ca.20 Mann
2.Zug: Spritzenmannschaft, ca. 20 Mann
3.Zug: Ablösungsmannschaft, ca. 20 Mann
4.Zug: Wasserträger, ca. 20 Mann
5.Zug: Flüchtungs- und Wachmannschaft, ca. 10 Mann

Der gesammte Mannschaftsstand betrug ca. 150 Mann und wurden militärisch streng geleitet. Diese Form der personalintensiven Gliederung der Feuerwehr Baienfurt wurde bis ins Jahr 1929 beibehalten.

Am 18. Mai 1929 wurde die Pflichtfeuerwehr gelöscht und die Freiwillige Feuerwehr gegründet. Dadurchergaben sich viele Änderungen, die durch eine neu augearbeitete Satzung geregelt wurde.

§1 (der neuen Satzung)
"Die seit dem Jahre 1886 bestehende Pflichtfeuerwehr Baienfurt hat sich nach Maßgabe der allgemeinen Vorschriften sowie der Bestimmung der Bezirks- und Feuerlöschverordnung als "Freiwillige Feuerwehr" neu gebildet und es sich zur Aufgabe gemacht, den gesamten Lösch- und Rettungsdienst in der Gemeinde selbst und in den Nachbargemeinden sowie bei bei Waldbränden und bei sonstigen elementaren Ereignissen zu übernehmen und sich hierzu in entsprechender Weise regelmäßig einzuüben. Zur Erreichung dieses Zweckes sind stramme Ordung und regelmäßige Übungen eingeführt."


Im Laufe der Jahre hielt die moderne Technik immer mehr Einzug in den Alltag der Feuerwehr. So wurde im Jahre 1939 eine Ziegler Hochleistungsmotorspritze angeschafft, die die Schlagkraft der Wehr wesentlich erhöhte. Die damalige Mannschaftsstärke betrug ca.90 Mann, die in vier Züge aufgeteilt waren.

Mit beginn des 2. Weltkriegs wurde die Freiwillige Feuerwehr vorübergehend aufgelöst und eine Feuerwehrpflicht für alle männlichen Einwohner zwischen dem 18. und 50.Lebensjahr eingeführt. Dieses Verzeichnis umfaßte in der Gemeinde Baienfurt am 1.April 1943 770Männer, die zum Feuerwehrdienst herangezogen wurden, von denen aber viele einberufen worden waren.

Nach der Kriegs- und Besatzungszeit ging es mit der Motorisierung und Verbesserung des Löschwesens weiter voran. Um die Alarmierung der Feuerwehrmänner zu verbessern, wurde im Jahre 1952 eine Feuermeldeanlage (Weckerlinie) in Betrieb genommen. Eine weitere Anschaffung war 1953 ein Löschfahrzeug (LF16TS, das heute noch in der Werksfeuerwehr der Stora Enso seinen Dienst tut. Nach dem sich die Weckerlinie außerordentlich gut bewährt hatte, wurde auch die Papierfabrik Baienfurt an diese Feuermeldeanlage angeschlossen.


Gerätehaus-Neubau 1956

Um nun für die vorhandenen Fahrzeuge und Geräte passende Räumlichkeit zu schaffen, ging man seitens der Gemeinde auf die Suche nach einem geeigneten Grundstück für einen Feuerwehrhausneubau.
Dies konnte mit dem Erwerb des Geländes Baindter Strasse 1 der Brauerei Rittler realisiert werden. Auf Grund des Gemeinderatsbeschlusses vom 18.02.1953 wurde der erste Entwurf ausgearbeitet, dem noch ein weiterer folgte, bevor der erste Spatenstich ausgeführt werden konnte. Mit Fertigstellung des neuen Feuerwehrgrätehauses im Juli 1956 hat die Gemeinde Baienfurt ein Bauwerk geschaffen, das in der Zeit zu den modernsten Gerätehäusern in der weiteren Umgebung gehörte.

Feuerwehrhaus

Anläßlich der Gerätehauseinweihung in Baienfurt beschloss der Kreisfeuerwehrausschuß, den alle zwei Jahre stattfindenden Kreisfeuerwehrtag nach Baienfurt zu vergeben. Als Termin wurde der 15./16.September 1956 festgelegt
Gleichzeitig mit der Übergabe des Schlüssels für das Gerätehaus wurde die langersehnte Feuerwehrfahne festlich eingeweiht. Dieser Kreisfeuerwehrtag ist in die Chronik der Freiwilligen Feuerwehr Baienfurt eingegangen und manchem älteren Feuerwehrkameraden in sehr guter Erinnerung geblieben.

Einsätze:

In der Zeit zwischen 1964 und 1969 gab es 3 Großbrände bei der Firma Rostan im Reinpadent. Der gemeinsam mit der Freiwilligen Feuerwehr Weingarten bewältigt worden sind.

Rostan



Dass Kameradschaft und Zusammenarbeit der Feuerwehren auch an der Ortsgrenze nicht enden, zeigt die Tatsache, dass die Männer der Freiwilligen Feuerwehr Baienfurt und der Werksfeuerwehr der Papierfabrik am 15.12.1974 zur Bekämpfung eines Großbrandes in der Schellinger-Mühle nach Weingarten gerufen wurden.

Schellinger